Mittwoch, 6. November 2013
Macarons von gestern, wunde Füsse und tolle Wäsche
Gleich zu Beginn einen kleinen Nachtrag zu gestern. Wie der Zufall es so will, gab es heute neues von Judit Meron. Waldbeermacarons wie aus dem Märchenbuch.
Nun zurück nach Lissabon. Es gibt so viel zu sehen! Ich muss aussortieren.
Kurz zu meiner Ankunft. Ich war heilfroh und glücklich nur noch ein paar wenige Schritte mit meinem Hightech-Leihkoffer hinter mich bringen zu müssen, dass ich die Aussichten auf modernes Kofferrollwerk und historisches Kopfsteinpflaster einfach ignorierte.
Erste Hürde sollte allerdings schon der Aufstieg aus den Eingeweiden der Lissabonner Metro sein.
Die an sich ist Metro absolut super. Optisch ansprechend, großzügig, herrlich luftig und hell, perfekt ausgeschildert, makellos sauber und ... ganz ungewöhnlich, es riecht gut. Bzw. es riecht gar nicht.
Wie schon gestern angedeutet ist die U-Bahn, in meinem Fall die Station Baixa/Chiado der Linha Azul, mehrgeschossig und der Aufzug ging nicht. Macht nix. Sind nur 15 Kilo Gepäck. Ich schleppe mich also durch die Tiefen, bis zum ausgeschilderten Ausgang und dann eröffnet sich mir diese:
Die längste Rolltreppenaneinanderreihung der Weltgeschicht und die nach OBEN, ist ausgestellt "for service".
Das traurige ist: Der Winkel meiner Kamera ist garnicht in der Lage wiederzugeben wie elend lang und spektakulär der Aufstieg ist.
Ich hatte kurz überlegt umzudrehen und am Gleis zu schlafen, aber das hab ich mich nicht getraut. Also schleppte ich brav mein Gepäck und mich die Stufen hoch und als ich oben, jede Pilatesstunde bedauernd die ich in den letzten Wochen hab schleifen lassen, ankam, erwartete mich folgendes: Noch mehr Treppen!
Ich denke die Stadt tut einfach was für ihr Volk! Ich werde in 10 Tagen fit sein wie ein Turnschuh!
Glücklich in der turbulenten Nacht angekommen stieg ich sofort in meinen Tarnmodus ein, der verhindern sollte dass ich als Tourist erkannt werde..... Nachts, mit einem riesen Koffer, Blond... in Portugal, völlig erledigt. Mein Mantra war allerdings: "ich könnte genauso gut hier wohnen und nur einfach aus dem Urlaub zurück gekommen sein..." Mimikri an!
Mimikri verlangt aber Ortskenntnisse und da ich die nicht habe und mir einen verräterischen zweiten Blick auf die Karte nach meinem Eintritt in die Öffentlichkeit verbat, marschierte ich strammen Schrittes in die komplett falsche Richtung. Ich hatte ja vorher geschaut. Wird schon stimmen...nicht.
Ich wurde tatsächlich nicht angequatscht, dafür nach ca. 5 Minuten auf meinem Rückweg in die exakt entgegengesetzte Richtung herzlich angelacht. Von Taxifahrern, Cafégästen, Kellnern, streunernden Teenagern und Hunden etc.
Einmal um den Block, entspannte 20 Minuten, dann war ich da. Die Strassen sind die Hölle für Beradetes, aber ein Traum fürs Auge.
Dann klingelte ich Martas Nachbarn aus dem Bett. Als ich, langsam sterbend, die schönen, schmalen Holzstiegen des alten Stadthauses in den vierte Stock erklimmte überlegte ich, einen Mann in meinem und Martas Alter erwartend, wie attraktiv dieser wohl so sein würde.Als mir der älteste, kleinste laufende Mann der mir je begegnete die Tür zu Martas Wohnung öffnete hatte ich zum Glück keine Luft mehr um doof zu gucken oder zu lachen und hauchte ein herzliches "Danke schön" und fiel durch die Tür. Er verschwand schneller als je gedacht, inklusive einer hübschen Katze, in den fünften Stock.
Und so wohne ich bei Marta
Umwerfend feminin, charmant, gemütlich und in der Mitte von Allem!
Marta kam ne Stunde später heim, sie ist eine sehr sympathische, viel beschäftigte Make-up Artistin die gerade umsattelt und Innenausstatterin werden will. Ich denke, das sollte gut gehen...
Kurz bevor ich in mein bequemes Bettchen fiel durfte ich noch feststellen dass Schlafanzug und Bettwäsche ganz traumhaft korrespondieren.
Nach ewigen Stunden wirklich nötigen Schlafes warf ich mich ins Lissabonner Stadtleben und versuchte mich erstmal zu orientieren. Ich klapperte die größeren Strassen ab, fuhr in drei Stadtteile und versuchte mir eine Karte im Hirn zusammenzustückeln, was mir schließlich erst heute gelang als ich nichts ahnend um eine Ecke bog und fünf Meter vor meinem Ausgangspunkt stand. Ein beeindruckendes Gefühl.
Lissabon wirkt im ersten Moment völlig unübersichtlich und riesig. Nach einer Weile wirkt es nur noch charmant verwinkelt und abwechslungsreich. Was mich zu meinem Fundstück von gestern führt:
Es gibt unglaublich viele und tolle Unterwäschegeschäfte. Absolut nicht vergleichbar mit Frankreich und Neuseeland, wobei die schon schicker unterwegs sind als Deutschland. Aber nichts schlägt (bis jetzt) Spanien und Portugal. Absolut traumhafte, raffinierte Kreationen, herrliche Farben, tolle Matrialien, schön Kombiniert. Und es gibt eine Menge drum herum. Vom Schühchen bis zum Kosmetikbeutel. Süße Kleidchen, bequeme Strickjacken, Morgenmäntel, Haarbänder, etc. Es ist eben nicht nur Wäsche, sondern alles was im Haus getragen werden kann. Und wenn man sich einen guten Laden aussucht, bekommt man auch eine hervorragende Beratung. Mit Verlaub die Beste die ich je annehmen durfte. Und das Mädchen war vielleicht 24 Jahre jung. Mit viel Geduld, Flexibilität und guter Kenntnisse der Produktpalette. All das in einem sehr angenehmen Ambiente. Mehr dazu gibt es hier
Im allgemeinen gibt es eine unglaubliche Auswahl an teuren internationalen Labels, die wie beliebig über die Stadt verstreut sind, neben völlig normalen kleinen Lädchen und Cafés. Die Gebäude sind teilweise so wunderschön, verfallen hin oder her und in vielen Geschäften ist die Innenausstattung viel spannender als die Verkaufsware. Poliertes Tropenholz, Walnuss, Rosen oder Kirsche. Zuweilen 120 Jahre alt, in einem oft so makellosen Zustand, dass man sich immer fragt, was die komischen Klamotten dazwischen sollen. Völlig aus der Zeit gerissen.
Jetzt bin ich zurück in meinem rosa Mädchentraum, völlig erschöpft und mit wunden Füssen, aber mit tollen Produkten vom Markt und werde mich von der Musik des Nachbarn in den Schlaf begleiten lassen. Es gibt immer so viel zu sehen und so wenig Zeit!
Dienstag, 5. November 2013
Kapitel 1: Charle de Gaulle vor Lissabon
Meine lieben Freunde,
es ist wieder soweit. Muße und Langeweile gleichermaßen bewegen mich zu neuen Texten. Und was, wenn nicht der erste "wirklich Alleine-Urlaub" wäre ein besserer Aufhänger dafür?
Der ein oder andere wird sagen: "Mensch Kind, du warst doch schon alleine in Neuseeland und in Australien. Und auch sonst viel unterwegs."
Aber ich finde ein Urlaub ist nochmal was anderes und mir ist aktuell mulmiger zu Mute als damals in Auckland. Dafür habe ich die erste Nacht nicht geweint, sondern friedlich ewig geschlafen und ich musste auch nicht in einem Sechserzimmer mit besoffenen irischen Teenagern über deren schmutzige Klamottenberg ruhen (Anm. der Red.: zum nachlesen siehe Eintrag eins in Cassandra im Kiwiland)
Aber vielleicht liegt das auch an meinem absoluten Nullverständnis der Landessprache. (Latein hilft nicht!) Sagt man nicht das Französische sei elend denn "man liest Pferd und spricht Gaul"? Pillepalle im Vergleich! Zum Glück waren alle Portugiesen mit denen ich heute zu tun hatte an sich ganz entspannt und freundlich als sie mit einer andere Sprache als der Hauseigene konfrontiert wurden. Man kommt also hervorragend mit Englisch durch den Alltag. DANKE!
Aber der Reihe nach.
In Düsseldorf problemlos und zackig durch die Kontrollen und den Check In gekommen, Flug war Schmerz- als auch Zwischenfallfrei, die Zeitungsauswahl war herrlich breit gefächert und die Flugbegleiter von Air France waren super höflich und fantastisch gekleidet. Die Uniformen stammen von Christian Lacroix. Woll- und Baumwollmischgewebe mit sinnvollem Synthetikanteil sorgen für einen optimalen Sitz und eine akkurate, einwandfreie Silhouette auch nach 16 Stunden Flug. Dunkelblau, Rot und Weiß ist ein Klassiker und man könnte sagen: "damit kann man eh nichts falsch machen". Als Gegenargument möchte ich nur kurz die Uniformen der Deutschen Bahn in Erinnerung rufen.
Zu Air France würde ich sagen: "Ich würd's tragen, und das nicht nur zur Arbeit. Félicitation Monsieur Lacroix!"
Eingedenk der Tatsache dass die Französinnen statistisch die schlankesten Frauen Europas sind ist die Optik die diese Dame auf dem Bild abgibt zumindest bei den Flugbegleiterinnen, wie ich am Flughafen Charle de Gaulle feststellen durfte, nicht die Ausnahme.

An diesem ebenso schönem, wie endlos unpraktischem Flughafen mit seiner beeindruckend luftigen und filigranen Architektur saß ich dann auch eine volle Stunde gegenüber eines völlig vollen Mannes. Dieser bediente sich aus einer Ein-Liter Flasche Duty-Free Ballantines fleissig um sich nebenbei im immer besoffenerem Kopf erst in Deutsch und dann auf Französisch um seinen beruflichen Kopf und Kragen zu telefonieren.
Ich konnte nicht weg schauen, nicht aufhören zuzuhören und wusste nicht ob ich was machen sollte. Der Rest am Gate ignorierte ihn mit einer beeindruckenden Gelassenheit. Bedauerlicher Weise ging mir neben: „sagst du mal was?“ „willste ihm mal das Handy abnehmen?“ die ganze Zeit nur durch den Kopf ob die Fluggesellschaft ihn wohl noch mitnehmen würde. Der Mann verschwand irgendwann, seinen Pegel Lügen strafend, ziemlich trittsicher im Menschengewirr. Eigentlich wollte er nach Berlin, der Flug ging ohne ihn.
Was muss passiert sein dass man als optisch erfolgreicher Mensch die Kontrolle über sein Verhalten abgibt und wenn man's ihm sagte, woran es läge, würde er dann aufhören? Wahrscheinlich weiß er das eh schon. Ich glaube ja persönlich es ist die Zeit die einen da korrumpiert. Die gestattet dass sich die kleinen Misserfolge summieren und auf die Seele legen, dass es irgendwann eine Patina aus Kummer und Frust gibt die irgendwann zu dick ist um es einem zu erlauben sich an den kleinen Schönheiten im Alltag hochzuziehen. Und heut zu Tage immer interessanter, weil ermittelbar: hätte man im Falle einer genetischen Disposition Anrecht auf die Übernahme der suffbedingtem Arbeitsausfälle durch die Krankenkasse, ohne gesellschaftliche Verurteilung?
Völlig Schräg.
Als ich fertig war über das Schicksal dieser schwimmenden Seele zu grübelt schob ich mir meine schüchtern eroberte Beute von Ladurée in den Mund. Eine Süßigkeit nach der anderen.
Die MacaronFachVerkäuferin, lächelte bereits säuerlich als ich meine Bestellung mit: „Ich hätte gerne nur vier“.... eröffnete und schaute mir mitleidig auf meinen abgeschrammten Geldbeutel. Sie kramte ein bisschen nach den kleinen Minitüten in der hinteren Ecke unterm Tresen und murmelte mit hochgezogenen Augenbrauen : "die bräuchten sie sonst NIE!"
Schwamm drüber, ich denke sie wird sich von dem Schock erholen. Wie schon erwähnt gab es vier. Vier Macarons die der kulinarische Desserthimmel auf Erden sein soll, das Original, die Süssigkeitenerfindung des 20. Jahrhunderts!
Ich wählte aus 12 Geschmacksrichtungen Vanille, Framboise (Himbeere), Pistachio und Cassis (Schwarze Johannisbeere).Vielleicht nicht individuell genug für Madame, aber ganz sicher nicht großzügig genug. Die Herren und Damen vor und hinter mir kauften mit der tiefen Gelassenheit, die nur Louis Vuitton-Taschen einem vermitteln können 12er, 16er, 24er und 36er Boxen. In diesen Fällen wurden die (angemessen vielen) Macarons in so traumhaft schöne Schachteln verpackt (bei denen man sich selber aussuchen durfte ob diese rund oder eckig sein sollten), dass es sich emotional auch ohne das farbige Eiweißschaumgebäck gelohnt hätte für 29,00, 37,00, 53,00 oder 77,00 Euro eine zu erstehen. Fast hätte ich gefragt ob ich nur eine Schachtel kaufen könnte, aber ich hatte Angst dass ich den Flughafen dann über den Dienstbotenausgang hätte verlassen müssen. ...und zwar umgehend!
Ich hab Macarons in Neuseeland gesehen und gegessen, bei Judit Meron. Eine Ungarin die einen Franzosen heiratete, mittlerweile mit ihm zwei bezaubernde Töchter hat und in Auckland lebt. Neben dem Hausfrauendasein unterhält sie eine ganz kleine, feine Patisserie und ist bei Facebook unter Artisan Cakes by Judit Meron zu finden
Sie fertigt exklusive und wirklich kunstvolle Hochzeits- und Geburtstagskuchen, unter anderen die Weihnachtshonigkekse, die ich letztes Jahr nachbuck (wer sich erinnert, die mit dem hübschen Zuckerguß) und eben jene berühmten Macarons.
Judit's kleine Kunstwerke decken sich im Aroma und der Optik der Beschreibung, die Herr von Ladurée damals mit seinen ersten Macarons zusammen heraus gab. Makellos glatte Oberfläche, seidiger Schimmer, luftige Textur, feinporig. Zartes Aroma von Mandel und Vanille, nicht feucht im Inneren, aber auch nicht trocken. Die Füllung muss formbeständig, fein süß/säuerlich (Himbeere), und aromatisch sein.
Diese Jungs hier heute am Flughafen waren das alles nicht. SKANDAL. Pfusch in den eigenen Reihen! Die Oberfläche war uneben, BLASIG und knubbelig, sogar Löchlein gabs. Das wäre so als würde man einen neuen Mercedes mit Kratzer ausliefern. Das bedauerlichste allerdings war dass sie auch so schmeckten.
Halbherzig, nach lieblosem Abklatsch. Der Macaronteig an sich war ok, aber das störte nicht, denn die Füllungen waren zäh, etwas klebrig und zuckersirupsüß. Allerdings konnte man Johannisbeere und Himbeere sehr gut an der Farbe auseinander halten. Die Farbtöne an sich waren wirklich erwähnenswert und herrlich anzuschauen.
Trotzdem bin ich mir sicher, drehte sich Herr Ladurée im Grabe, wenn er davon wüsste.
Wobei, vielleicht lag das auch am berühmten Ascher-Kaffee von Pauls. Den bestellte ich schon wiederholt wenn ich in Frankreich war, immer wieder gerne, immer mit dem Vermerk im Kopf: „Ah, Pauls! Das kannst du trinken, das war ganz gut“ (das letzte mal sogar drei Tage in Folge auf der Messe) und jedes mal sterben große Mengen Hirn- und Geschmackszellen ab wenn bitteres, lauwarmes Wasser meine Zunge passiert und den hässlichen Hauch ungewischter Nachtclubtresen auf ihr liegen lässt. Gnädig löscht mein Hirn das Gewesene.. Leider nur lückenhaft und es bleibt: „Kaffee in Frankreich ist oft schlecht!“ ...“Hey da drüben, Pauls da ist mir nix schlechtes im Kopf geblieben...“ ...“ Ün grand Café Cräm s'il vu pläh...“
Betäubt von fiesen Geschmäckern, zeitgleich aufgeputscht von Zucker und Koffein betrat ich meinen Anschlussflug nach Lissabon und verabschiedete mich von meinem heißgeliebten Frankreich, dass es immer wieder schafft seinen kulinarischen Weltklasseruf so schauerlich mit Füssen zu treten.
In Lissabon angekommen klappte alles wie am Schnürchen. Gepäckausgabe, Fahrkartenkauf, Metro finden. Alles ist bestens ausgeschildert und meine liebe Vermieterin, Marta, hatte mich herrlich über die Route gebrieft, die ich zu nehmen hatte.
Als ich dann in Baixa/Chiado um 23:30 aus der UBahn fiel, war ich guter Dinge und vergnügt. Nur noch 12o Meter trennten mich von meinem neuen Kurzzeitzuhause. Wirklich? Lissabon ist ja die Stadt der sieben Hügel... ähnlich wie Rom. Nur hier ist das mit den Hügeln und der Anzahl eher eine Art Understatement, Rolltreppen werden hier Nachts gewartet und die Metro ist tiefer gelegt als in anderen Städten.

Und ich dachte mir nur: "Schau nicht ins Licht!" Aber dazu mehr beim nächsten mal.
es ist wieder soweit. Muße und Langeweile gleichermaßen bewegen mich zu neuen Texten. Und was, wenn nicht der erste "wirklich Alleine-Urlaub" wäre ein besserer Aufhänger dafür?
Der ein oder andere wird sagen: "Mensch Kind, du warst doch schon alleine in Neuseeland und in Australien. Und auch sonst viel unterwegs."
Aber ich finde ein Urlaub ist nochmal was anderes und mir ist aktuell mulmiger zu Mute als damals in Auckland. Dafür habe ich die erste Nacht nicht geweint, sondern friedlich ewig geschlafen und ich musste auch nicht in einem Sechserzimmer mit besoffenen irischen Teenagern über deren schmutzige Klamottenberg ruhen (Anm. der Red.: zum nachlesen siehe Eintrag eins in Cassandra im Kiwiland)
Aber vielleicht liegt das auch an meinem absoluten Nullverständnis der Landessprache. (Latein hilft nicht!) Sagt man nicht das Französische sei elend denn "man liest Pferd und spricht Gaul"? Pillepalle im Vergleich! Zum Glück waren alle Portugiesen mit denen ich heute zu tun hatte an sich ganz entspannt und freundlich als sie mit einer andere Sprache als der Hauseigene konfrontiert wurden. Man kommt also hervorragend mit Englisch durch den Alltag. DANKE!
Aber der Reihe nach.
In Düsseldorf problemlos und zackig durch die Kontrollen und den Check In gekommen, Flug war Schmerz- als auch Zwischenfallfrei, die Zeitungsauswahl war herrlich breit gefächert und die Flugbegleiter von Air France waren super höflich und fantastisch gekleidet. Die Uniformen stammen von Christian Lacroix. Woll- und Baumwollmischgewebe mit sinnvollem Synthetikanteil sorgen für einen optimalen Sitz und eine akkurate, einwandfreie Silhouette auch nach 16 Stunden Flug. Dunkelblau, Rot und Weiß ist ein Klassiker und man könnte sagen: "damit kann man eh nichts falsch machen". Als Gegenargument möchte ich nur kurz die Uniformen der Deutschen Bahn in Erinnerung rufen.
Zu Air France würde ich sagen: "Ich würd's tragen, und das nicht nur zur Arbeit. Félicitation Monsieur Lacroix!"
Eingedenk der Tatsache dass die Französinnen statistisch die schlankesten Frauen Europas sind ist die Optik die diese Dame auf dem Bild abgibt zumindest bei den Flugbegleiterinnen, wie ich am Flughafen Charle de Gaulle feststellen durfte, nicht die Ausnahme.

An diesem ebenso schönem, wie endlos unpraktischem Flughafen mit seiner beeindruckend luftigen und filigranen Architektur saß ich dann auch eine volle Stunde gegenüber eines völlig vollen Mannes. Dieser bediente sich aus einer Ein-Liter Flasche Duty-Free Ballantines fleissig um sich nebenbei im immer besoffenerem Kopf erst in Deutsch und dann auf Französisch um seinen beruflichen Kopf und Kragen zu telefonieren.
Ich konnte nicht weg schauen, nicht aufhören zuzuhören und wusste nicht ob ich was machen sollte. Der Rest am Gate ignorierte ihn mit einer beeindruckenden Gelassenheit. Bedauerlicher Weise ging mir neben: „sagst du mal was?“ „willste ihm mal das Handy abnehmen?“ die ganze Zeit nur durch den Kopf ob die Fluggesellschaft ihn wohl noch mitnehmen würde. Der Mann verschwand irgendwann, seinen Pegel Lügen strafend, ziemlich trittsicher im Menschengewirr. Eigentlich wollte er nach Berlin, der Flug ging ohne ihn.
Was muss passiert sein dass man als optisch erfolgreicher Mensch die Kontrolle über sein Verhalten abgibt und wenn man's ihm sagte, woran es läge, würde er dann aufhören? Wahrscheinlich weiß er das eh schon. Ich glaube ja persönlich es ist die Zeit die einen da korrumpiert. Die gestattet dass sich die kleinen Misserfolge summieren und auf die Seele legen, dass es irgendwann eine Patina aus Kummer und Frust gibt die irgendwann zu dick ist um es einem zu erlauben sich an den kleinen Schönheiten im Alltag hochzuziehen. Und heut zu Tage immer interessanter, weil ermittelbar: hätte man im Falle einer genetischen Disposition Anrecht auf die Übernahme der suffbedingtem Arbeitsausfälle durch die Krankenkasse, ohne gesellschaftliche Verurteilung?
Völlig Schräg.
Als ich fertig war über das Schicksal dieser schwimmenden Seele zu grübelt schob ich mir meine schüchtern eroberte Beute von Ladurée in den Mund. Eine Süßigkeit nach der anderen.
Die MacaronFachVerkäuferin, lächelte bereits säuerlich als ich meine Bestellung mit: „Ich hätte gerne nur vier“.... eröffnete und schaute mir mitleidig auf meinen abgeschrammten Geldbeutel. Sie kramte ein bisschen nach den kleinen Minitüten in der hinteren Ecke unterm Tresen und murmelte mit hochgezogenen Augenbrauen : "die bräuchten sie sonst NIE!"
Schwamm drüber, ich denke sie wird sich von dem Schock erholen. Wie schon erwähnt gab es vier. Vier Macarons die der kulinarische Desserthimmel auf Erden sein soll, das Original, die Süssigkeitenerfindung des 20. Jahrhunderts!
Ich wählte aus 12 Geschmacksrichtungen Vanille, Framboise (Himbeere), Pistachio und Cassis (Schwarze Johannisbeere).Vielleicht nicht individuell genug für Madame, aber ganz sicher nicht großzügig genug. Die Herren und Damen vor und hinter mir kauften mit der tiefen Gelassenheit, die nur Louis Vuitton-Taschen einem vermitteln können 12er, 16er, 24er und 36er Boxen. In diesen Fällen wurden die (angemessen vielen) Macarons in so traumhaft schöne Schachteln verpackt (bei denen man sich selber aussuchen durfte ob diese rund oder eckig sein sollten), dass es sich emotional auch ohne das farbige Eiweißschaumgebäck gelohnt hätte für 29,00, 37,00, 53,00 oder 77,00 Euro eine zu erstehen. Fast hätte ich gefragt ob ich nur eine Schachtel kaufen könnte, aber ich hatte Angst dass ich den Flughafen dann über den Dienstbotenausgang hätte verlassen müssen. ...und zwar umgehend!
Ich hab Macarons in Neuseeland gesehen und gegessen, bei Judit Meron. Eine Ungarin die einen Franzosen heiratete, mittlerweile mit ihm zwei bezaubernde Töchter hat und in Auckland lebt. Neben dem Hausfrauendasein unterhält sie eine ganz kleine, feine Patisserie und ist bei Facebook unter Artisan Cakes by Judit Meron zu finden
Sie fertigt exklusive und wirklich kunstvolle Hochzeits- und Geburtstagskuchen, unter anderen die Weihnachtshonigkekse, die ich letztes Jahr nachbuck (wer sich erinnert, die mit dem hübschen Zuckerguß) und eben jene berühmten Macarons.
Judit's kleine Kunstwerke decken sich im Aroma und der Optik der Beschreibung, die Herr von Ladurée damals mit seinen ersten Macarons zusammen heraus gab. Makellos glatte Oberfläche, seidiger Schimmer, luftige Textur, feinporig. Zartes Aroma von Mandel und Vanille, nicht feucht im Inneren, aber auch nicht trocken. Die Füllung muss formbeständig, fein süß/säuerlich (Himbeere), und aromatisch sein.
Diese Jungs hier heute am Flughafen waren das alles nicht. SKANDAL. Pfusch in den eigenen Reihen! Die Oberfläche war uneben, BLASIG und knubbelig, sogar Löchlein gabs. Das wäre so als würde man einen neuen Mercedes mit Kratzer ausliefern. Das bedauerlichste allerdings war dass sie auch so schmeckten.
Halbherzig, nach lieblosem Abklatsch. Der Macaronteig an sich war ok, aber das störte nicht, denn die Füllungen waren zäh, etwas klebrig und zuckersirupsüß. Allerdings konnte man Johannisbeere und Himbeere sehr gut an der Farbe auseinander halten. Die Farbtöne an sich waren wirklich erwähnenswert und herrlich anzuschauen.
Trotzdem bin ich mir sicher, drehte sich Herr Ladurée im Grabe, wenn er davon wüsste.
Wobei, vielleicht lag das auch am berühmten Ascher-Kaffee von Pauls. Den bestellte ich schon wiederholt wenn ich in Frankreich war, immer wieder gerne, immer mit dem Vermerk im Kopf: „Ah, Pauls! Das kannst du trinken, das war ganz gut“ (das letzte mal sogar drei Tage in Folge auf der Messe) und jedes mal sterben große Mengen Hirn- und Geschmackszellen ab wenn bitteres, lauwarmes Wasser meine Zunge passiert und den hässlichen Hauch ungewischter Nachtclubtresen auf ihr liegen lässt. Gnädig löscht mein Hirn das Gewesene.. Leider nur lückenhaft und es bleibt: „Kaffee in Frankreich ist oft schlecht!“ ...“Hey da drüben, Pauls da ist mir nix schlechtes im Kopf geblieben...“ ...“ Ün grand Café Cräm s'il vu pläh...“
Betäubt von fiesen Geschmäckern, zeitgleich aufgeputscht von Zucker und Koffein betrat ich meinen Anschlussflug nach Lissabon und verabschiedete mich von meinem heißgeliebten Frankreich, dass es immer wieder schafft seinen kulinarischen Weltklasseruf so schauerlich mit Füssen zu treten.
In Lissabon angekommen klappte alles wie am Schnürchen. Gepäckausgabe, Fahrkartenkauf, Metro finden. Alles ist bestens ausgeschildert und meine liebe Vermieterin, Marta, hatte mich herrlich über die Route gebrieft, die ich zu nehmen hatte.
Als ich dann in Baixa/Chiado um 23:30 aus der UBahn fiel, war ich guter Dinge und vergnügt. Nur noch 12o Meter trennten mich von meinem neuen Kurzzeitzuhause. Wirklich? Lissabon ist ja die Stadt der sieben Hügel... ähnlich wie Rom. Nur hier ist das mit den Hügeln und der Anzahl eher eine Art Understatement, Rolltreppen werden hier Nachts gewartet und die Metro ist tiefer gelegt als in anderen Städten.

Und ich dachte mir nur: "Schau nicht ins Licht!" Aber dazu mehr beim nächsten mal.
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