Mittwoch, 6. November 2013
Macarons von gestern, wunde Füsse und tolle Wäsche
Gleich zu Beginn einen kleinen Nachtrag zu gestern. Wie der Zufall es so will, gab es heute neues von Judit Meron. Waldbeermacarons wie aus dem Märchenbuch.
Nun zurück nach Lissabon. Es gibt so viel zu sehen! Ich muss aussortieren.
Kurz zu meiner Ankunft. Ich war heilfroh und glücklich nur noch ein paar wenige Schritte mit meinem Hightech-Leihkoffer hinter mich bringen zu müssen, dass ich die Aussichten auf modernes Kofferrollwerk und historisches Kopfsteinpflaster einfach ignorierte.
Erste Hürde sollte allerdings schon der Aufstieg aus den Eingeweiden der Lissabonner Metro sein.
Die an sich ist Metro absolut super. Optisch ansprechend, großzügig, herrlich luftig und hell, perfekt ausgeschildert, makellos sauber und ... ganz ungewöhnlich, es riecht gut. Bzw. es riecht gar nicht.
Wie schon gestern angedeutet ist die U-Bahn, in meinem Fall die Station Baixa/Chiado der Linha Azul, mehrgeschossig und der Aufzug ging nicht. Macht nix. Sind nur 15 Kilo Gepäck. Ich schleppe mich also durch die Tiefen, bis zum ausgeschilderten Ausgang und dann eröffnet sich mir diese:
Die längste Rolltreppenaneinanderreihung der Weltgeschicht und die nach OBEN, ist ausgestellt "for service".
Das traurige ist: Der Winkel meiner Kamera ist garnicht in der Lage wiederzugeben wie elend lang und spektakulär der Aufstieg ist.
Ich hatte kurz überlegt umzudrehen und am Gleis zu schlafen, aber das hab ich mich nicht getraut. Also schleppte ich brav mein Gepäck und mich die Stufen hoch und als ich oben, jede Pilatesstunde bedauernd die ich in den letzten Wochen hab schleifen lassen, ankam, erwartete mich folgendes: Noch mehr Treppen!
Ich denke die Stadt tut einfach was für ihr Volk! Ich werde in 10 Tagen fit sein wie ein Turnschuh!
Glücklich in der turbulenten Nacht angekommen stieg ich sofort in meinen Tarnmodus ein, der verhindern sollte dass ich als Tourist erkannt werde..... Nachts, mit einem riesen Koffer, Blond... in Portugal, völlig erledigt. Mein Mantra war allerdings: "ich könnte genauso gut hier wohnen und nur einfach aus dem Urlaub zurück gekommen sein..." Mimikri an!
Mimikri verlangt aber Ortskenntnisse und da ich die nicht habe und mir einen verräterischen zweiten Blick auf die Karte nach meinem Eintritt in die Öffentlichkeit verbat, marschierte ich strammen Schrittes in die komplett falsche Richtung. Ich hatte ja vorher geschaut. Wird schon stimmen...nicht.
Ich wurde tatsächlich nicht angequatscht, dafür nach ca. 5 Minuten auf meinem Rückweg in die exakt entgegengesetzte Richtung herzlich angelacht. Von Taxifahrern, Cafégästen, Kellnern, streunernden Teenagern und Hunden etc.
Einmal um den Block, entspannte 20 Minuten, dann war ich da. Die Strassen sind die Hölle für Beradetes, aber ein Traum fürs Auge.
Dann klingelte ich Martas Nachbarn aus dem Bett. Als ich, langsam sterbend, die schönen, schmalen Holzstiegen des alten Stadthauses in den vierte Stock erklimmte überlegte ich, einen Mann in meinem und Martas Alter erwartend, wie attraktiv dieser wohl so sein würde.Als mir der älteste, kleinste laufende Mann der mir je begegnete die Tür zu Martas Wohnung öffnete hatte ich zum Glück keine Luft mehr um doof zu gucken oder zu lachen und hauchte ein herzliches "Danke schön" und fiel durch die Tür. Er verschwand schneller als je gedacht, inklusive einer hübschen Katze, in den fünften Stock.
Und so wohne ich bei Marta
Umwerfend feminin, charmant, gemütlich und in der Mitte von Allem!
Marta kam ne Stunde später heim, sie ist eine sehr sympathische, viel beschäftigte Make-up Artistin die gerade umsattelt und Innenausstatterin werden will. Ich denke, das sollte gut gehen...
Kurz bevor ich in mein bequemes Bettchen fiel durfte ich noch feststellen dass Schlafanzug und Bettwäsche ganz traumhaft korrespondieren.
Nach ewigen Stunden wirklich nötigen Schlafes warf ich mich ins Lissabonner Stadtleben und versuchte mich erstmal zu orientieren. Ich klapperte die größeren Strassen ab, fuhr in drei Stadtteile und versuchte mir eine Karte im Hirn zusammenzustückeln, was mir schließlich erst heute gelang als ich nichts ahnend um eine Ecke bog und fünf Meter vor meinem Ausgangspunkt stand. Ein beeindruckendes Gefühl.
Lissabon wirkt im ersten Moment völlig unübersichtlich und riesig. Nach einer Weile wirkt es nur noch charmant verwinkelt und abwechslungsreich. Was mich zu meinem Fundstück von gestern führt:
Es gibt unglaublich viele und tolle Unterwäschegeschäfte. Absolut nicht vergleichbar mit Frankreich und Neuseeland, wobei die schon schicker unterwegs sind als Deutschland. Aber nichts schlägt (bis jetzt) Spanien und Portugal. Absolut traumhafte, raffinierte Kreationen, herrliche Farben, tolle Matrialien, schön Kombiniert. Und es gibt eine Menge drum herum. Vom Schühchen bis zum Kosmetikbeutel. Süße Kleidchen, bequeme Strickjacken, Morgenmäntel, Haarbänder, etc. Es ist eben nicht nur Wäsche, sondern alles was im Haus getragen werden kann. Und wenn man sich einen guten Laden aussucht, bekommt man auch eine hervorragende Beratung. Mit Verlaub die Beste die ich je annehmen durfte. Und das Mädchen war vielleicht 24 Jahre jung. Mit viel Geduld, Flexibilität und guter Kenntnisse der Produktpalette. All das in einem sehr angenehmen Ambiente. Mehr dazu gibt es hier
Im allgemeinen gibt es eine unglaubliche Auswahl an teuren internationalen Labels, die wie beliebig über die Stadt verstreut sind, neben völlig normalen kleinen Lädchen und Cafés. Die Gebäude sind teilweise so wunderschön, verfallen hin oder her und in vielen Geschäften ist die Innenausstattung viel spannender als die Verkaufsware. Poliertes Tropenholz, Walnuss, Rosen oder Kirsche. Zuweilen 120 Jahre alt, in einem oft so makellosen Zustand, dass man sich immer fragt, was die komischen Klamotten dazwischen sollen. Völlig aus der Zeit gerissen.
Jetzt bin ich zurück in meinem rosa Mädchentraum, völlig erschöpft und mit wunden Füssen, aber mit tollen Produkten vom Markt und werde mich von der Musik des Nachbarn in den Schlaf begleiten lassen. Es gibt immer so viel zu sehen und so wenig Zeit!
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